ANN: Ringvorlesung: Medien und Sakralitaet (Essen, 25 Oct 17-31 Jan 18)

From: Kerstin Meincke <kerstin.meincke@uni-due.de> Date: Oct 20, 2017 Subject: ANN: Ringvorlesung: Medien und Sakralitaet (Essen, 25 Oct 17-31 Jan 18) Essen, 25.10.2017 - 31.01.2018 - English version below - Medien und Sakralität: Phänomene anderer Zeitlichkeit in der transkulturellen Moderne Interdisziplinäre Ringvorlesung im Rahmen des Forschungsprojekts: Anachronie und Präsenz. Ästhetische Wahrnehmung und künstlerische Zeitlichkeitskonzepte im „Black Atlantic“ (DFG SPP 1688: Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne) Konzept: Gabriele Genge, Angela Stercken Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, V13 S00 D46 Mittwochs, 16 – 18 Uhr 25.10.2017 – 31.1.2018 Die Ringvorlesung beschäftigt sich mit den spezifischen Verhandlungsformen des Sakralen in der Kunst. Sie sucht damit andere Bezugspunkte zu den aktuell vieldiskutierten „postsäkularen“ Appropriationen von „Religion“ in Politik und kultureller Praxis. Während der Religionsbegriff als Produkt der Aufklärung kolonial geprägte, normative und paradoxe Implikationen besitzt, die einerseits eine kulturelle Praxis, andererseits eine private spezifische Erfahrung des „Heiligen“ ansprechen, vermag die Frage nach den Medien der Sakralisierung weiter gefasste Konzepte zu liefern, deren transkulturelle Tragfähigkeit in der Ringvorlesung überprüft werden soll. Zentral werden dabei der Zusammenhang von Ästhetik und Sakralisierung, die Medien des Sakralen und ihre Phänomenologien des „Heiligen“ sein, die in künstlerischen Positionen zugänglich werden. Sakralität soll hier umrissen werden in Formen medialer „Präsenz“ und der Inszenierung des Heiligen – d.h. als sakrale Performanz in Schrift und Bild, in Räumen und Zeitlichkeitsentwürfen, die weniger Trennungen, sondern vielmehr Grenzbereiche, Schwellenphänomene und aktuelle Residuen des Sakralen diskursiv erfassen und dessen sinnliche Wahrnehmbarkeit wie kulturelle Wirksamkeit beschreiben können. In welchen ästhetischen Formen und Medien wird das „Heilige“ zugänglich, auf welche kulturellen Traditionen bezieht es sich? Wie kann es zur Subversion oder auch Befestigung identitärer Konzepte und Wissensformen beitragen? Offenkundig stellt die spezifische Zeitgebundenheit medialer Sakralisierung eine herausfordernde Thematik für die Ästhetik dar. Aktuelle medienphilosophische Positionen verstehen sich als säkulare Deutungen des „Anderen“, Numinosen und Unsagbaren. Sie greifen u.a. auf Walter Benjamins und Aby Warburgs verzeitlichte Formen sinnlichen Wahrnehmens zurück, um damit eine unvermittelte „Präsenz“, aber auch eine „Kraft“, „Aura“, Charisma, die Ereignishaftigkeit und affektive Widerfahrnis des Ästhetischen in Abgrenzung vom Heiligen zu erfassen. Doch wird hier offenkundig die schon bei Émile Durkheim problematische Polarisierung des Sakralen und Profanen bestätigt, indem metaphysische und unausgesprochene mystisch-christliche Traditionen zwar aufgegriffen, jedoch ausgeblendet bzw. vermeintlich säkularisiert werden. Scheinbar offener hingegen positionieren sich u.a. religionsphänomenologische Untersuchungen der Moderne (Henri Bergson, Rudolf Otto, Mircea Eliade), die mit ethnologischer primitivistischer Perspektivik Dimensionen „sakraler Zeitlichkeit“ beschreiben. Spätestens mit Johannes Fabians Untersuchung allochroner Konzepte des Primitiven wird jedoch deutlich, dass gerade jene kategorialen Zeitlichkeitsentwürfe zu den machtvollsten Prinzipien kultureller Differenzierung gehören. Weitere, in kultureller Hinsicht stärker relativierende Einsichten bieten medienphilosophische Deutungen, die in den modernen Reproduktionsmedien bzw. bei der öffentlichen Verbreitung digital generierter (bewegter) Bilder deren „Sakralität“ und „Unhintergehbarkeit“ im Sinne von ritueller Wiederholung deuten. In der geplanten Ringvorlesung sollen neben den ästhetischen Konzepten des Sakralen auch kultursoziologische und ethnologische Deutungen des Religiösen zur Sprache kommen. Dazu gehören ebenso die Problematik einer exklusiven Wahrnehmung des Monotheismus, seiner Adaptionen im Kontext von Missionierung und Kolonialisierung und nicht zuletzt die „westlichen“ Abgrenzungen von Magie und Animismus etc., die aktuell diskutiert werden und in Forderungen nach einer Dekolonialisierung des westlichen Denkens seit der Aufklärung münden. — The Sacred and its Media: Phenomena of "Presence" in Transcultural Modernity Cross-disciplinary lecture series within the context of the research project: The Anachronic and the Present: Aesthetic perception and artistic concepts of temporality in the “Black Atlantic” (DFG Priority Programme 1688: Ästhetische Eigenzeiten: Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne) Conceived by Gabriele Genge and Angela Stercken University of Duisburg-Essen, Campus Essen, room V13 S00 D46 Every wednesday, 4-6 pm The workshop deals with specific forms of sacrality and their different ways of negotiation. Coming out of the Enlightenment and tied to colonial ideas, the concept of “religion” has normative and paradoxical implications, addressing a cultural practice and at the same time a purely private sphere. To overcome these framings, our lecture series focuses on artworks and artistic media of sacralization and their transcultural agency. The key issues here are 1) the relation between aesthetics and sacralization, 2) the media of sacrality, and 3) the phenemonologies of “the sacred” as perceived in artistic works. In describing the aesthetics of sacrality, we are confronted with a multilayered setting of questions and ideas: to start with, we would like to emphasize a specific temporal agency of sacred objects and images, involving their immediate "presence“, perceptible in performances of texts and images, and embedded in spatial concepts. Evidently, sacred notions of time are now challenging a "global" art history, its aesthetics and its methodological repertory. Recent philosophical positions underline the secular character of a numinous, auratic or charismatic "presence" as delineated by Walter Benjamin or Aby Warburg. In carrying forward Émile Durkheim's far-reaching separation of the sacred and the profane, these confirmations nevertheless seem to continue implictly mystic-Christian traditions by masking or secularizing them. Older phenomenological investigations by Henri Bergson, Rudolf Otto or Mircea Eliade more explicitly describe a “sacred time” (temps sacré) drawing upon ethnological research and concepts of primitivism, and in the process reveal ideas of cultural alterity that now seem quite obsolete. More relational interpretations are offered by actual media theories, that speak of a "sacred presence" as property of modern reproduction media or contemporary digital culture. Drawing on these aesthetic concepts of the sacred, the lecture series also hopes to discuss the cultural, sociological, and ethnological interpretations of the religious, its cultural traditions, political influence, and/ or subversive power and the way these factors relate to concepts of identity and knowledge. This includes problems like the concept of "monotheism", its adaptations in the context of missionarism and colonialism, and, last but not least, the "Western" demarcations of magic and animism, which are currently leading to demands for a decolonization of Western thought since the Enlightenment. — Programm / program 18.10.2017 (hat bereits stattgefunden) Gabriele Genge (Universität Duisburg-Essen): Medien und Sakralität. Phänomene anderer Zeitlichkeit in der transkulturellen Moderne: Eine Einführung 25.10.2017 Hans Körner (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Die Medialität des Heiligen – das heilige Medium. Marienerscheinungen im französischen 19. Jahrhundert und ihre Bilder 8.11.2017 Peter-Ulrich Hein (Universität Duisburg-Essen): Sakrale Zeitlichkeit bei Mircea Eliade und der Geist des (europäischen) Konservatismus 15.11.2017 Astrid Windus (Westfälische Wilhelms-Universität Münster): Die (Re-)produktion des Sakralen: Zur Frage von ‚Original‘ und ‚Kopie‘ bei Diego de Ocañas Jungfrau von Guadalupe (La Plata, 17. Jahrhundert) 22.11.2017 Patricia Plummer (Universität Duisburg-Essen): Sakralität in der britischen Gegenwartsliteratur 29.11.2017 Christian Kravagna (Akademie der Bildenden Künste Wien): Film und Video als Medien der Sakralisierung 6.12.2017 Wiebke Windorf (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Grabmonument und sakraler Raum. Künstlerische Konzepte zum Tod im 18. Jahrhundert 13.12.2017 Madoka Yuki (Universität Duisburg-Essen): (Un-)Übersetzbarkeit des Fremden. Fotografische Darstellungen des Todes aus Japan 10.1.2018 Birgit Mersmann (Universität zu Köln): Sakrale Aktualisierung. Schamanistische und buddhistische Zeitbildästhetiken in der Gegenwartskunst 17.1.2018 Annalisa Butticci (Universiteit Utrecht): African Pentecostalism in Catholic Europe. Sacred Aesthetics and Religious Short Circuits 24.1.2018 Richard Kuba (Frobenius-Institut, Frankfurt / M.): Sakralität und Bildlichkeit im Kontext prähistorischer Felskunst 31.1.2018 Andreas Nehring (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Sakrale Präsenz – Religionsästhetische Überlegungen zu Wahrnehmung und Aufmerksamkeit — Kontakt / contact: Universität Duisburg-Essen, Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Lehrstuhl für Neuere Kunstgeschichte / Kunstwissenschaft DFG-Projektgruppe: Anachronie und Präsenz: Ästhetische Wahrnehmung und künstlerische Zeitlichkeitskonzepte im Black Atlantic (SPP 1688: Ästhetische Eigenzeiten) University of Duisburg-Essen, Institute for Art and Art History, Chair of Art History and Theory Project group: The Anachronic and the Present: Aesthetic perception and artistic concepts of temporality in the “Black Atlantic” (DFG Priority Programme 1688: Ästhetische Eigenzeiten) www.kunstwissenschaft-essen.de blackatlantic@uni-due.de Reference / Quellennachweis: ANN: Ringvorlesung: Medien und Sakralität (Essen, 25 Oct 17–31 Jan 18). In: ArtHist.net, Oct 20, 2017. <https://arthist.net/archive/16536>. ____________________________________________________________________ ArtHist.net - Network for Art History / Netzwerk für Kunstgeschichte Editorial Board Contact Address / Fragen an die Redaktion: editors@arthist.net Submit contributions to / Beiträge bitte an: https://arthist.net/mailing-list/mode=contribute Update your subscription / Abo-Verwaltung: https://arthist.net/admin/


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